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Engagement der Bundeswehr an Hochschulen 2010

8. August 2011

Laut einem in den letzten Tagen erschienen Bericht der „Jugendoffiziere“ der Bundeswehr, welcher deren (Zusammen)Arbeit mit verschiedenen Einrichtungen(vornehmlich mit Schulen, aber auch mit Werbemaßnahmen an Jobcentern) dokumentiert, wurde der Einfluss ausgebaut, die erwarteten Eintritte in die Bundeswehr jedoch seien ausgeblieben. Es herrsche (nach der Ausräumung von Vorurteilen und Unwissen, so der Sprech der Jugendoffiziere) eine generell positive Einstellung gegenüber der Bundeswehr, jedoch würde der eigene Dienst nicht in Betracht gezogen, da dieser zu sehr mit den hohen Gefallenzahlen im Verlauf des Afghanistankrieges in Zusammenhang gebracht werde, subsumiert wurde dies unter dem Motto, „Bundeswehr ja, aber ohne mich“. Dabei finden auch die zunehmenden Aktivitäten an Hochschulen Erwähnung.

So würde eine „[…]stetig wachsende Anzahl von Universitäten“ die „Vorteile“ einer Zusammenarbeit mit den Jugendoffizieren erkennen und vor allem in Lehramtsveranstaltungen seien die Resonanzen der Teilnehmer größtenteils „positiv“. Wie auch in den Schulen, meist in den Gymnasialklassen und Sekundarstufen, so hat auch hier die Propagandaabteilung der Bundeswehr das Privileg des „Erstkontaktes“, sollen doch die meisten Studierenden bei dieser Gelegenheit die erste direkte Bekanntschaft und nähere Informationen über die Bundeswehr erhalten haben. Obgleich es den Jugendoffizieren laut eigener Aussage um eine differenzierte Darstellung gelegen sei, bleibt allerdings zu bezweifeln, dass bei IRGENDEINER dieser Veranstaltungen an Hochschulen eine, so die Bundeswehrler, „militärkritische“ oder friedensaktivistische Gegendarstellung erfolgt ist, denn im Gegensatz zu dem horrenden Budget der Bundeswehrwerbung sind die meisten AktivistInnen der Gegenseite finanziell und personell schlecht aufgestellt, was zumindest eine gleichgestellte Meinungsbildung gewährleisten könnte. Glücklicherweise waren nicht alle Hochschulen so kooperativ wie beispielsweise die nach dem Grafen Zeppelin benannte Privatuniversität am Bodensee, vielerorts verhinderten die organisierten Studierendenschaften und Studierendenausschüsse ein Zustandekommen der Werbeveranstaltungen, wie die Jugendoffiziere zu berichten wissen, und machten sich damit ihrer Ansicht nach „unreflektiert negative Kritik“ schuldig, könnten „Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit“ nicht voneinander trennen.

Woraus genau jedoch bestehen solche Vorträge und oder Veranstaltungen an der Univerisät? Der Bericht der Jugendoffiziere verweißt auf „Besuche bei der Truppe“, „Podiumsdisskusionen“ und ein z.B an der Univiersität Köln durchgeführtes Planspiel mit den Namen POL/IS, ein vom politikwissenschaftlichen Modell des Realismus beeinflussten Strategiespiels, in dessen Verlauf man unter anderem mit militärischen Hilfsmitteln Konflikte lösen kann. Zudem wird dem Motto des Spiels, dass auch an vielen Schulen schon Anwendung findet, „Realitätsnah ein paar Tage Weltpolitik zu spielen, eben nicht gerecht, Lobbyarbeit im Inneren und widerstrebende Kräfte, nationale Interessen und die Folgen des kontemporären Wirtschaftssystems bleiben ausgeblendet, ja werden ad absurdum geführt, denn das Heil besteht in einer möglichen „Lösung“ darin, dass alle Länder wirtschaftliches Wachstum verzeichnen, gleichzeitig und anscheinend heilbringend. Eine dezidierte Kritik bietet die Informationsstelle Militarisierung, deren Artikel über das Planspiel weiter unten abrufbar ist.

Auch in Gießen gab es im Januar 2010 eine ähnliche Veranstaltung, allerdings „nur“ einen Vortrag, der von katholischen Hochschulgemeinde ausgerichtet und unter anderem an der JLU beworben wurde. Hierbei sollte die Sicht der Bundeswehr auf den Afghanistaneinsatz dargestellt werden, „eingerahmt“ wurde die Veranstaltung, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag des Wetzlarer Jugendoffizieres Hauptmann Schmidt stand, zynischerweise von einem Musikbeitrag(welcher Natur dieser war, verschweigt leider die Meldung der Gießener Zeitung).

Wenn eine Zivilklausel jedoch eine Universität vor dem Einfluss der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie schützen soll, so haben solche Veranstaltungen erst gar nicht stattzufinden, ganz gleich ob eine differenzierte Darstellung gewährleistet ist oder nicht! Zum einen hat die Bundeswehr ihre eigenen Hochschulen, die in unvergeichlicher Manier junge Menschen mit verlockenden Angeboten und niedrigen Zugangsvoraussetzungen ködern (natürlich zum Preis einer mehrjährigen Verpflichtung als Offizier), zum anderen wird, unter anderem beim oben erwähnten POL/IS eine vereinfachte Weltsicht und die Möglichkeit militärischer Konfliktlösung propagiert, welche die Akzeptanz für die weltweiten „Einsätze“ der Bundeswehr erhöhen und zu einer Normalisierung des Einsatzes stattlich sanktonierten Mordens führen soll!

All dies kann von fühlenden und denkenden Wesen, schlicht dem jungen Menschen an der Universität nicht hingenommen werden und es bleibt auch Aufgabe einer Zivilklausel und ihrer Überwacher, derartige Vorgänge aufzudecken und zu stoppen.

Artikel in der TAZ

Kritik des Plan Spiels POL/IS bei der Informationsstelle Militarisierung (IMI)

Artikel zu dem Bericht der Jugendoffiziere bei Bundeswehr Monitoring



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